Selbstvergessen. Wie es kam, dass Psycho-Experten mit dem Einzelnen nichts anfangen können. AUSWEGE-Schriftenreihe „Psycholügen“, Band 7, Printausgabe

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Selbstvergessen
Wie es kam, dass Psycho-Experten mit dem Einzelnen nichts anfangen können
AUSWEGE-Schriftenreihe „Psycholügen“, Band 7
Harald Wiesendanger
176 Seiten
Schönbrunn 2017
Auch als PDF erhältlich: 9,90 Euro

Hauptbeschreibung
Wie konnten Psychoexperten es jemals erstrebenswert finden, Menschen so zu betrachten wie ein Physiker materielle Gegenstände? Dieses Buch beleuchtet den geschichtlichen Hintergrund: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann sich die Psychologie in eine Naturwissenschaft zu verwandeln. Seither bevorzugt sie einen experimentellen, quantitativen, rein „objektiven“ Ansatz. So beschritt sie einen Irrweg, auf dem sie ihr Objekt aus dem Blick verlor: das Subjekt.

Inhaltsverzeichnis
Wie die moderne Psychologie ihr Objekt verlor
Das Drama der Selbstvergessenheit
Overtüre: Die Leipziger Götterdämmerung
Erster Akt: Der psychoanalytische Irrweg – Der Mensch als Dampfmaschine
Zweiter Akt: Der behavioristische Irrweg – Der Mensch als Reaktionsautomat
Dritter Akt: Der neuropsychologische Irrweg – Der Mensch als umhülltes Gehirn
Das Problem der psychophysischen Zusammenhänge
Das rätselhafte Etwas
Bin ich mein Gehirn?
Der Traum vom „Gedankenlesen“
Vierter Akt: Der kognitive Irrweg – Der Mensch als Biocomputer
Ein Rundgang durch die Hirnfabrik
Der Objektivitätswahn
Der Exaktheitswahn
Der Experimentierwahn
Wissenschaft als kollektive Willkür
„Aber wir differenzieren doch!“
Zurück zur Kunst des Verstehens
Anmerkungen

Leseprobe
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann sich die Psychologie als Naturwissenschaft zu begreifen. Dieser Band zeichnet nach, wie es dazu kommen konnte – und welche Irrwege sie deswegen einschlug. Das Fazit wird lauten: Ihr experimenteller, quantitativer, rein „objektiver“ Ansatz verfehlt zwangsläufig, was uns ausmacht. Er führt zu einer Wissenschaft von Wahrscheinlichkeiten, der ihr besonderer Gegenstand abhanden gekommen ist: das bewusste Subjekt mit einer jeweils einmaligen Geschichte, besonderen Lebensumständen und einer einzigartigen Erlebnisperspektive.
Historisch betrachtet, gibt es nicht eine wissenschaftliche Psychologie, sondern mindestens vier: miteinander konkurrierende Paradigmen, die jeweils eine ganze Forschergeneration prägten, ehe sie von der nächsten verabschiedet wurden – nicht weil sie „widerlegt“ waren, sondern weil sich allmählich neue Fragestellungen, Denkmoden und Vorlieben durchsetzten. „Jede Theorie“, befand Einstein, „unterliegt einem allmählichen Entwicklungsprozess, und jede hat ein Stadium der Triumphe, um danach womöglich sehr rasch in der Versenkung zu verschwinden.“ Nur eines verband die unterschiedlichen Strömungen: der feste Glaube, die uralten Rätsel um Geist und Seele könne eine Psychologie lösen, indem sie sich zu einem Zweig der Naturwissenschaften umdefiniert.
Der nachfolgende Vierakter karikiert die Psychologiegeschichte, zugegeben. Es entspricht keineswegs den historischen Tatsachen, dass sich das gesamte Fach ein paarmal vollständig umdefinierte. Zum einen fanden nicht radikale Umbrüche statt, die Übergänge verliefen fließend. Zum zweiten erfand sich die Psychologie keineswegs jedesmal neu, immer machte sie reichlich Anleihen bei Vorläufern. Und drittens folgten zu keiner Zeit alle, die sie betrieben, geschlossen ein und demselben Ansatz. Längere Zeit bestanden mehrere Hauptrichtungen nebeneinander, außerhalb wurden weitere gepflegt. Denkmoden ähneln Kleidermoden: Der vorherrschende Geschmack bevorzugt gewisse Farben, Muster, Schnitte und Materialien, aber nicht alle richten sich danach. So konnte es kommen, dass der deutsche Denk- und Sprachpsychologe Karl Bühler (1879-1963) Ende der zwanziger Jahre in einer vielzitierten Schrift über Die Krise der Psychologie zutiefst bedauerte: „So viele Psychologien nebeneinander wie heute, so viele Ansätze auf eigene Faust sind wohl noch nie gleichzeitig beisammen gewesen“ – ein Klagelied, das bei den Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie bis heute in schöner Regelmäßigkeit angestimmt wird. Insofern überzeichne ich, aber so sind Karikaturen nun mal: Sie betonen und überspitzen das Wesentliche. Das Drama, das ich rekonstruiere, wurde auf der Großen Bühne des universitären Schauspielhauses aufgeführt. Hinter dem Vorhang und auf Nebenbühnen fanden zeitgleich weitere Aufführungen statt, inszeniert von Traditionalisten, Eigenbrötlern und Abweichlern. Doch die größte Aufmerksamkeit, der begeisterte Applaus, das laute Echo galten Anderen. Es ist wie bei einer vorbeiziehenden Parade: Jede besteht aus vielen Wagen, aber die alles übertönende Musik spielt nur auf dem ersten.

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