Das Märchen von der Küchenpsychologie. Warum Laien der Wissenschaft nicht das Feld räumen müssen. AUSWEGE-Schriftenreihe „Psycholügen“, Band 6, Printausgabe

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Das Märchen von der Küchenpsychologie
Warum Laien der Wissenschaft nicht das Feld räumen müssen
AUSWEGE-Schriftenreihe „Psycholügen“, Band 6
Harald Wiesendanger
56 Seiten
Schönbrunn 2017
Auch als PDF erhältlich: 7,90 Euro

Hauptbeschreibung
Laien überlegen wähnt sich der Psycho-Experte, weil er an ein Märchen glaubt: In unserem Bemühen, einander zu verstehen, seien wir in Wahrheit nichts weiter als miserable Wissenschaftler. Auf unsystematisch gesammelte, subjektiv gefärbte Daten, so behauptet er, stützen wir widersprüchliche, mit verschwommenen Begriffen gebildete Theorien, aus denen wir unbedacht fragwürdige Schlüsse ziehen, wenn wir menschliches Verhalten zu erklären und vorherzusagen versuchen. Diese minderwertige „Küchen“- und „Stammtischpsychologie“ helfe uns zwar, im Alltag zurechtzufinden, mit Anderen einigermaßen klarzukommen, uns emotional zu entlasten und gewisse Bedürfnisse zu befriedigen. Doch stecke sie voller Vorurteile. Seit Jahrtausenden stagniere sie. Wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt werde früher oder später über sie hinweggehen.
Da täuscht sich der Psychoprofi aber.

Inhaltsverzeichnis
Das Märchen von der Küchenpsychologie
Vier angebliche Mängel
Sind wir Psycho-Theoretiker?
Verallgemeinern wir immerzu?
Expertokratie der Seelenprofis: ein Alptraum
Unbedacht abgewertet
Anmerkungen

Leseprobe
Am 30. Juni 1860, auf der Jahrestagung der Britischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft, kam es zwischen dem Bischof von Oxford, Samuel Wilberforce, und dem Biologen Thomas Henry Huxley zu einem hitzigen Wortgefecht über Darwins Evolutionstheorie. Dabei stichelte Hochwürden unter anderem: „Wollen Sie lieber väterlicher- oder mütterlicherseits vom Affen abstammen?“ Huxley konterte sinngemäß: „Für einen Affen als Vorfahren schäme ich mich nicht, wohl aber für einen geistreichen Mann, der die Wahrheit zu verschleiern versucht.“
Dreizehn Jahre nach dieser denkwürdigen Auseinandersetzung brach sich der Bischof das Genick, als ihn sein Pferd abwarf. „Ausnahmsweise kam sein Gehirn in Kontakt mit der Realität“, ätzte Huxley daraufhin. „Das Ergebnis war fatal.“
Solange es um augenfällige Wirkungen der Schwerkraft und so grundlegende Naturerscheinungen wie das Fallen geht, ergeben unsere Intuitionen darüber, wie die Welt funktioniert, ein einigermaßen stimmiges Bild. Schon unsere Jüngsten verstehen den Humor von Cartoonphysik: Sie kichern, wenn eine Comicfigur über eine Klippe hinausrennt, eine Weile in der Luft schwebt und erst in genau jenem Augenblick abstürzt, in dem ihr schlagartig aufgeht, dass sie keinen festen Boden mehr unter den Füßen hat. Ein paar Jahre später wundern sie sich beim Star-Wars-Gucken, wie es sein kann, dass Laserschwerter aufeinander scheppern, wo Licht doch masselos ist. Andererseits „läuft vieles in der Physik unseren Intuitionen zuwider, und genauso verhält es sich in anderen Fächern“, wie der Scientific American, seit 1845 eine der weltweit angesehensten populärwissenschaftlichen Zeitschriften, in seiner August-Ausgabe 2006 darlegte. „Ehe das Zeitalter der Wissenschaften anbrach, machte gesunder Menschenverstand annehmen, die Erde sei flach, die Himmelskörper drehten sich um sie und seien wandernde Gottheiten, die unser Schicksal bestimmen. Laienbiologie ließ an eine unsichtbare ‘Lebenskraft’ glauben, die alle Kreaturen durchströmt, sowie an einen intelligenten Schöpfer, der sie aus dem Nichts entstehen ließ.“ Wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt ging darüber hinweg.
Könnte dieses Schicksal auch unserer Überzeugung blühen, wir seien Subjekte mit Geist und Seele? Werden Leute, die daran glauben, bischofsgleich vom hohen Ross des Dualismus stürzen?
„So wird es kommen!“, verkünden die Chefideologen der naturwissenschaftlichen Elite. In unserem Bemühen, einander zu verstehen, gehen wir in Wahrheit wie grottenschlechte Wissenschaftler vor, heißt es. Auf unsystematisch gesammelte, subjektiv gefärbte Daten stützen wir widersprüchliche, mit verschwommenen Begriffen gebildete Theorien, aus denen wir unreflektiert fragwürdige Schlüsse ziehen, wenn wir menschliches Verhalten zu erklären und vorherzusagen versuchen. Diese Theorien machen zusammengenommen unsere Alltagspsychologie (folk psychology) aus. Sie mag hilfreich sein, um uns im gewöhnlichen Leben zurechtzufinden, mit Anderen einigermaßen klarzukommen, uns emotional zu entlasten und gewisse Bedürfnisse zu befriedigen. Doch steckt sie voller Vorurteile; nur ausnahmsweise überprüfen und korrigieren wir sie. Deshalb stagniert sie seit zweieinhalb Jahrtausenden. Erkenntnisfortschritt? Fehlanzeige.
Trotzdem klammern wir uns an sie, gewohnheitsmäßig und uneinsichtig, statt wahrer Wissenschaft auch auf psychologischem Gebiet endlich das Feld zu räumen, wie wir das im Bereich der Physik, der Astronomie und der Chemie vernünftigerweise längst getan haben. Ist unsere „Küchen-“, „Hobby-“ und „Stammtischpsychologie“, als die Akademiker sie bespötteln, aus wissenschaftlicher Sicht brauchbar, mit den immer weiter zusammenwachsenden Schlüsseldisziplinen Physik, Chemie, Biologie und Neurologie in Einklang zu bringen? Nicht im geringsten. Wie unangemessen und beschränkt sie sei, erweise sich daran, was sie alles nicht erklären könne oder gar nicht erst abdecke: beispielsweise Geisteskrankheiten, Kreativität, Intelligenzunterschiede, die Funktion des Schlafs, Wahrnehmungstäuschungen, gewisse Eigenschaften des Gedächtnisses, die Möglichkeit des Lernens. Zum universitär geschulten Psychologen verhalte sich der Laie deshalb wie der Heimwerker zum Bauingenieur, der Wetterfühlige zum Meterologen, der Badewannensänger zum Tenor.
Psychologiestudenten wird diese Sichtweise vom ersten Semester an nahegebracht. Setzt sie sich durch, so liefert sie Expertokraten eine fabelhafte Legitimation: Nicht nur von fernen Galaxien und winzigsten Materiebausteinen, unsichtbaren Energien und biochemischen Abläufen hat unsereins letztlich keinen blassen Schimmer, solange unser Intellekt bildungsfern dahinvegetiert – Durchblick haben wir nicht einmal dort, wo wir uns am allerbesten auszukennen meinen: bei unseren Nächsten, ja bei uns selbst. Wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt werde unsere Alltagspsychologie früher oder später eliminieren, so prophezeit man uns. Ihr blühe das Schicksal der Ptolemäischen Astronomie und der Ätherphysik, der Alchemie und bäuerlichen Wetterkunde. Ihre Aussagen über Psychisch-Geistiges seien leeres Gerede. Ihre schwammigen Begriffe dafür bezögen sich im Grunde auf nichts. Sie gehöre auf den Abfallhaufen der Geschichte.
Sollten wir den Müllmännern schleunigst die Tonne füllen?

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