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Ulrich Koch: Uhren zogen mich auf

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Ulrich Koch
Uhren zogen mich auf
Gedichte
poetenladen 2012
Gebundene Ausgabe
104 Seiten | Euro 17.80
ISBN 978-3-940691-37-8

 

»Denn der größte Schmerz«, so sagt Ulrich Koch in einer Dankesrede, »ist die Sprache. Um ihn zu beschreiben, müssten wir hinter den Spiegel schauen können.« Sein neues Buch mutet wie ein solches Hinter-den-Spiegel-Schauen an, ein Spiel mit verblüffenden Perspektiven, verlockend, irritierend, gleichermaßen surreal wie all­tags­inspiriert, zu­weilen ab­gründig bei großer Gelas­senheit im Duktus.

Stimmen

Ulrich Kochs Gedichte sind Chronometer eines melancholischen Weltgefühls, diskrete Momentaufnahmen einer existenziellen Obdachlosigkeit. Ihre Schauplätze sind die dunklen Rückseiten der Vorstädte: Buswartehäuschen, Hinterhöfe, Vorgärten, Turnhallen, Baggerseen oder „die Regentonnen unter der Traufe“.
Nun kehrt Ulrich Koch zurück mit einem großartigen Gedichtbuch, in dem sich Hoffnung und Verzweiflung in einer prekären Balance befinden.
Neue Zürcher Zeitung

Einen freundlichen Misanthropen hat man Ulrich Koch genannt, einen, der sich in der Berufung des hingerissenen Skeptikers ausbildet …
Und dahinter pulst der Drang zu einer geradlinigen Unbeirrbarkeit, flankiert von Momenten unfasslicher Nähe („Wir liegen im Bett / und zählen langsam bis zwei“) und Übereinkunft („und schlafen bei eins“). „Uhren zogen mich auf“ – ein wichtiges, ein beglückendes Buch. …
Fixpoetry
Was Ulrich Koch an Gedichten zusammensetzt, ist nicht cool, modisch oder lyrisch revolutionär, oder gar vordergründig politisch, sondern entspricht einer genauen poetischen Beobachtung der schönen Traurigkeiten des Alltags.
Radio Berlin Brandenburg | kulturradio

Ulrich Koch ist der Sänger der entvölkerten Vorstadt, der menschenleeren Provinz, die ihre Würde durch sein Gedicht erhält.
DIE ZEIT online | Martin Brinkmann

Man wird überall der Zeichen der Vergänglichkeit, der Verlassenheit und der Bedrohung des Gewöhnlichen gewahr und hält erschrocken inne. Diese Momente des jähen Erkennens, diese Augenblicke der Vergewisserung, dass die Einsamkeit des Menschen in der Welt nicht aufhebbar ist, haben sich in diese Texte eingeschrieben.“
Der gelbe Akrobat (II) Serie | Michael Braun

 

Ulrich Koch wurde 1966 in Winsen an der Luhe geboren. Er lebt östlich von Lüneburg und arbeitet in Hamburg.

Er veröffentlichte Gedichtbände beim Residenz Verlag und in der Lyrikedition 2000 (Lang ist ein kurzes Wort). Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Förderpreis des Stuttgarter Schriftstellerhauses (2007), dem Hamburger Förderpreis fur Literatur (2011) und dem Hugo-Ball-Förderpreis (2011). Im Herbst 2012 ist sein Gedichtband Uhren zogen mich auf im poetenladen Verlag, Leipzig, erschienen.


Der Kaiser spricht

Wenn es Gedichte gibt,
bin ich der Kaiser von China.

Wenn es Gedichte gibt,
kommt Brahms noch einmal
zu Fuß nach Winsen,
Elise Giesemann besuchen.

Wenn ihr an Gedichte glaubt,
baue ich euch Leichtgläubigen eine Kirche aus Styropor
und fasse in die Sonne,
als kratzte ich mich am Arsch.

Wenn ich ein Gedicht geschrieben habe,
streichelt mich im Schlaf
die Hand des Präparators.

Wer Gedichte verbrennt,
wird wiedergeboren:
steif wie Gunther von Hagens
auf dem Vivisektionstisch von Francis Bacon.

Wenn ich ein Gedicht lese,
läuft mir mein toter Hund entgegen,
im Maul die Zeitung
vom Tag meiner Geburt.

Aus: Uhren zogen mich auf


 

Das Buch im Verlag

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