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Thomas Böhme: Heikles Handwerk

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Thomas Böhme
Heikles Handwerk
66 Fallstudien
Gedichte
poetenladen, Leipzig, 2010
88 Seiten, 15,80 Euro
Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-940691-18-7

Sphäre der Überraschungen
Thomas Böhme interessiert sich weniger für die Jobs als für dienjenigen, die sie ausüben. Das „Menschliche, Allzumenschliche“ im Nietzscheschen Sinne beschäftigt ihn. Daher wirken seine Porträts eher wie Charakterstudien, die trotz ihrer gedämpften Melancholie nicht selten durch einen verschmitzten Unterton bestechen …
Hundertfach wähnt man sich zu Gast in Absurdisten, in einer verwunschenen Sphäre der Überraschungen und unerwarteten Wandlungen.
LVZ | Ulf Heise

Von der Schönheit des Verschwindens
In jedem der Vierzehnzeiler erlebt der Leser einen neuen Böhme’schen Tonfall. Das Glückauf der Gedichte dort, die Düsternis hier: die beiden Bücher zeigen Thomas Böhme, der sich früh als bedeutender Poet und Erzähler erwies, auf der Höhe seines Könnens. Die verschmitzte Skurrilität des Heiklen Handwerks, die dichte Melancholie des Schnakenhaschers – sie suchen zur Zeit nach ihres gleichen in der gegenwärtigen Literatur.
Mitteldeutsche Zeitung | 15.10.2010

 

Das Gedächtnis der Sprache ist zäh

Um Barbier zu werden, muß einer den Pinsel nicht neu erfinden. Wer diesen Satz beherzigt, dem geraten die »66 Fallstudien« gewiß nicht zu Fallstricken. Geschichten über Handwerker und andere, dem Vergessenwerden entrissene Berufsstände gibt es bereits. Hier sei nur auf Gesualdo Bufalino (»Museum der Schatten«) und auf H.C. Artmann (»Fleiß und Industrie«) verwiesen. Ihnen verdanken wir unter anderem Kurioses und Wissenswertes zum Serenadensänger und Kichererbsenverkäufer (Bufalino) oder zum Landlord und Kaminfeger (Artmann).

In »Heikles Handwerk« werden die ehrbaren Stände aufs Glatteis des Gedichts geführt, hier wissen sie mit ihrer Kunstfertigkeit oft nicht wohin und kommen aus dem Schlittern nicht mehr heraus. Anspruch auf Vollständigkeit war von vornherein nicht angestrebt, ebensowenig ein neues »Lexikon verschwundener Arbeit«. Wohl hätte ich dem Philanthropen – als Ausnahme inmitten der erlernbaren Berufe – noch den Privatier zur Seite stellen können, dem Drahtzieher den Dengler oder dem Milchmann den Mundschenk. Doch die magische Zahl 66 wollte ich nicht überschreiten, und so blieben einige Skizzen unausgeführt, ohne daß es der Sache Abbruch getan hätte.

Das Gedächtnis der Sprache ist zäh, langlebiger als die von ihr bezeichnete Realität. Für viele erworbene Fähigkeiten hatte schon das Industriezeitalter keine Verwendung mehr. Inzwischen ist es selbst schon wieder Geschichte. Auf Jahrmärkten, unter Gauklern und Handleserinnen, dürfen die einst stolzen Zünfte sich noch der Schaulust und Gaffgier des Publikums erfreuen, als Steuerzahler fallen sie aber kaum ins Gewicht, und mit dem Stolz ist es so eine Sache – sobald ihm die Daseinsberechtigung entzogen wird, verwandelt er sich in Kauzigkeit. Da mag einer noch so fingerfertig oder luchsäugig sein, wenn seinem Produkt die Nachfrage, seiner Wachsamkeit das Objekt fehlt, macht er sich nur lächerlich.

 

Fotograf: Info Wilhelm

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