Kaffee mit Perleberger Wurzeln

25. Juli 2016

Die Prignitz hat im Laufe Ihrer Geschichte einige bedeutsame Persönlichkeiten hervorgebracht. An einige erinnern wir uns noch heute. Andere sind in Vergessenheit geraten. So ist es sicher auch mit Arthur Erich Edelmann. Der Perleberger führte im neunzehnten Jahrhundert eine  Maschinenbaufirma. Diese muss über die Grenzen der Prignitz erfolgreich tätig gewesen sein. Das Arthur Edelmann ein weltoffener und risikobereiter Mann gewesen sein muss beweist die Tatsache, dass er 1888 aufEinladung der mexikanischen Regierung nach Mexico auswanderte. Ziel war es, die mexikanische Landwirtschaft zu fördern und somit Arbeitsplätze zu schaffen. In der Hochebene des Soconuscos in Chiapas im Süden Mexikos gründete Edelmann die Kaffeeplantage »Finca Hamburgo«. Er begann lediglich mit seiner Frau Doris Mertens und einigen seiner besten Mitarbeiter, die ihm aus Perleberg gefolgt waren. Die beiden Kinder Harald Bruno und Anneliese wurden alsbald in die Heimat geschickt, um dort eine Schulbildung zu erhalten.

Arthur Erich Edelmann

Arthur Erich Edelmann wurde zu einem Pionier in der Kaffeeproduktion. Mit seinem Wissen als Maschinenbauer trieb er durch die Einführung von Maschinen zur Weiterverarbeitung des Rohkaffees die Industrialisierung voran. Das gestaltete sich oft sehr schwierig, da alle aus Deutschland importierten Maschinen und Maschinenteile auf Maultieren durch das kaum erschlossene Gebiet transportiert werden mussten. Allein der Transport vom Hafen in San Benito dauerte so ca. eine Woche. Erst die Inbetriebnahme der ersten Eisenbahnlinie im Jahr 1908 und die damit verbundene Anbindung der Region Chiapas verkürzte die Transportzeiten spürbar. Um die Maschinen betreiben zu können wurde ein eigenes Elektrizitätswerk errichtet.

Harald Bruno Edelmann

Zwei Jahre nach dem Tod von Arthur Erich Edelmann, kehrte sein Sohn Harald Bruno 1929 aus Deutschland zurück. Mit knapp zwanzig Jahren übernahm er das Erbe seines Vaters und modernisierte die Finca weiter. Er reiste nach Europa und erwarb dort modernste Maschinen. Um die Transportwege weiter zu optimieren wurde 1939 sogar eine Drahtseilbahn in Betrieb genommen.

Schwere Jahre begannen 1942. Mexiko erklärte unter anderem Deutschland den Krieg. Diese Tatsache machte ansässige Deutsche plötzlich zu Feinden der Nation. Ihr Besitz wurde enteignet. Darunter waren auch 66 Kaffeefincas, die dann treuhänderisch verwaltet wurden. Das hatte zur Folge, dass weder die Qualität noch die Quantität der Kaffeeproduktion gehalten werden konnte. So ging die Produktion schließlich um 50% zurück.

Nach dem Ende des Krieges konnte die Familie Edelmann die nun völlig heruntergewirtschaftete Finca wieder zurückkaufen. Mit dem Neubeginn entwickelte sich das Geschäft wieder weiter. Wegen einer stark gestiegenen Nachfrage verdoppelte sich im Jahre 1950 der Rohkaffeepreis. Das sich Harald Bruno Edelmann nicht nur um den Wiederaufbau seiner Finca sorgte, bewies er 1953. In diesem Jahr lies er die Grundschule »Abraham Lincoln« bauen und bekam sogar beim damaligen Staatspräsidenten Anerkennung. Im Jahre 1976 starb Harald Bruno Edelmann und sein Sohn Bruno übernahm die Finca.

Der internationale Verfall der Kaffeepreise führte 1989 zu enormen wirtschaftlichen Problemen. Die Familie Edelmann sah in dieser Krise die Chance für eine Umstrukturierung. Es ging ab sofort nicht mehr um die Massenproduktion sondern um den Anbau von Spezialitätenkaffees. Ein Weg, der sich als wahres Glück herausstellte.

Seit 2002 verwaltet nun Tomas Edelmann Blass die »Finca Hamburgo«. Der wirtschaftliche Erfolg führte zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter; Sportplätze, weiterführende Schulbildung (Telesecundaria), Küchen für die Schulspeisung, Krankenstation und Elektroanschlüsse in allen Bereichen. Der Produktionsschwerpunkt liegt heute bei hochwertigen Kaffeevaritäten, wie Bourbon, Catuai, Maragogype und Pacamara. Die klimatischen Bedingungen in der wasserreichen Bergregion verleihen den Kaffees eine natürliche Milde und Süße mit einem Hauch von Schokolade und Mandel sowie einer zarten Säure von Limonen.

Restaurant Perleberg

Zahlreiche Auszeichnungen und 2012 die erfolgreiche Teilnahme am mexikanischen Kaffeewettbewerb »Cup of Excellence« beweisen die hohen Qualitätsansprüche der Familie Edelmann. Davon können Sie sich, liebe Leser, auch selbst überzeugen. Neben einem Hotelbetrieb mit Spa-Bereich gibt es auch ein Kaffeemuseum mit einem Rückblick auf über 125 Kaffeeproduktion in der Sierra Madre de Chiapas. Vor Ort gibt es auch ein Restaurant mit dem Namen »Perleberg«.

 

 

 

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