Im Kaffeeparadies Mexiko

5. März 2018

Blick vom Restaurant Perleberg zur Finca Hamburgo.

Vor 1½ Jahren haben wir im Kaffee und Teehaus in Perleberg den mexikanischen Kaffee von der Finca Hamburgo präsentiert. Mit dabei war damals die Ur-Urenkelin Miranda Edelmann Toriello, des Perleberger Fincagründers Arthur Erich Edelmann. Er verließ 1888 gemeinsam mit seiner Ehefrau und einigen vertrauten Mitarbeitern seine Heimatstadt Perleberg, um sich im entfernten Mexiko einer neuen Herausforderung zu stellen – dem Kaffeeanbau. Mit Hingabe und harter Arbeit wurde der Grundstein für ein erfolgreiches Unternehmen gelegt, das sich auch heute noch in Familienbesitz befindet.

Zu Beginn diesen Jahres hatte ich nun die große Freude, die Finca Hamburgo in Mexiko zu besuchen. Für mich bot sich die großartige Gelegenheit, die Familie Edelmann persönlich kennenzulernen und dabei einen tiefen Einblick in die Kaffeeproduktion zu bekommen. Die Finca Hamburgo lieg ca. 60 km von Tapachula entfernt im Süden Mexikos kurz vor der Grenze zu Guatemala. Tapachula ist die wirtschaftlich bedeutendste Stadt im Bundesstaat Chiapas mit einer wichtigen Rolle als Handelsverbindung zwischen Mittel- und Nordamerika.

Bei der Kaffeeernte

Mich umfing eine fantastische Landschaft mit atemberaubenden Blicken, die zur einen Seite bis zur Pazifikküste und zur anderen bis zum Gipfel des Vulkans Tacaná in Guatemala reichten. Auf der Finca Hamburgo befinden sich  drei Holzhäuser mit je drei Zimmern und Bad, ein Wellnessbereich mit dem schönen Namen „Spa Baden-Baden“ und das Restaurant „Perleberg“. Alles ist eingebettet von endlosen reichenden Kaffeepflanzen.

Mit einem herrlichen Filterkaffee begann jeder Tag. Im Produktionsbereich umfing mich sofort der fruchtig-gärende Geruch frisch geschälter Kaffeekirschen.

Im Büro der Finca traf ich Tomas Bruno Edelmann Toriello. Er ist der Ur-Urenkel von Arthur Erich Edelmann und Sohn des jetzigen Eigentümers Tomas Edelmann Blass. Der 28-jährige freute sich sehr über den Besuch aus der Heimat seiner Vorfahren. In einer Mischung aus Englisch und Deutsch unterhielten wir uns und fanden schnell zu unserer gemeinsamen Passion, dem Kaffee. Auf der anschließenden Führung über die Finca erläuterte Tomas Bruno mir die unterschiedlichen Bereiche der Kaffeeaufbereitung.

Auf den 280 ha Gesamtfläche werden ca. 400 t Kaffee produziert. Die Ernte erfolgt wegen des unwegsamen und steilen Geländes ausschließlich von Hand. Ein großes Problem in vielen Kaffeeanbauländer, so auch in Mexiko, ist der Kaffeerost. Dabei handelt es sich um einen Pilzbefall der Blätter der Kaffeepflanze. An deren Unterseite bilde sich rostrote Flecken, die zum völligen Blattverlust führen können. Unbehandelt ist die Pflanze nicht überlebensfähig.

Die „Coffeetales Hamburgo S.A. de C.V.“, so die offizielle Firmenbezeichnung, besteht aus zwei Teilen. Der Hauptteil ist die Finca Hamburgo. Einige Kilometer entfernt und etwas tiefer gelegen befindet sich die Finca Chiripa. Tomas Bruno zeigte mir auch diesen Bereich. Dort werden besondere Varietäten, wie Maragogype, Pacamara und Sarchimore angebaut.

Tomas Bruno Edelmann Toriello prüft gewissenhaft.

Eine übergroße Freude war es, Tomas Edelmann Blass, den Geschäftsführer der Finca Hamburgo kennen zulernen. Nach dem wir bislang uns nur über die sozialen Medien kannten, waren wir beide sehr froh über den persönlichen Kontakt. Die Tatsache, dass Herr Edelmann ausgezeichnet deutsch spricht, machte die Verständigung wesentlich einfacher. Nach dem ich die Grüße von Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura übermittelt habe, sind wir schnell bei der Historie der Finca Hamburgo und der Familie Edelmann gelandet.

Arthur Erich Edelmann wanderte mit seiner Frau und einigen Getreuen 1888 ins Hochland des Soconusco aus. Das ist ein Gebiet im Süden Mexikos, das sich bis hinein ins angrenzende Guatemala erstreckt. Mit Mut, Beharrlichkeit und Risikobereitschaft gelang es ihm, zu einem Pionier in der Kaffeeproduktion zu werden. Gemeinsam mit seiner Frau, Doris Mertens, hat er quasi aus dem Nichts etwas geschaffen, das bis in die Gegenwart wirkt. Meine Reise hat mich Bewunderung und tiefen Respekt für die Leistungen der Edelmanns gelehrt.

Die beiden Kinder Harald Bruno und Anneliese führten ihre Schulausbildung in Deutschland zu Ende. Zwei Jahre nach dem Tot von Arthur Erich Edelmann im Jahre 1929 viel seinem Sohn mit knapp 20 Jahren die schwierige Aufgabe zu, die Finca weiter zu führen. Harald Bruno packte diese Aufgabe entschlossen und Wagemutig an. Er erwarb in Europa modernste Maschinen und installierte 1939 sogar eine Drahtseilbahn zur Entlastung der Arbeiter. Diese Anlage sieht noch heute so aus, obwohl längst nicht mehr in Betrieb, als ob sie jeder Zeit wieder eingeschaltet werden könnte.

Nach dem 1942 Mexiko unter anderen auch Deutschland den Krieg erklärte, wurden die Wohltäter plötzlich zu Feinden. Sie wurden Enteignet und die Fincas wurden treuhänderisch verwaltet. Das führte zum Produktionsrückgang und zu Qualitätsmängeln. Nach Kriegsende konnten Edelmanns ihren nun maroden Besitz zurückkaufen. Aber auch diesen Neuanfang meisterten sie. Ihnen kam zu Gute, dass der Kaffeebedarf nach dem zweiten Weltkrieg extrem anstieg. Zwischen 1945 und 1950 verdoppelte sich der Preis. 1953 ließ Harald Bruno die Grundschule Abraham Lincoln bauen. Noch heute lernen dort die Kinder der mexikanischen Landbevölkerung Lesen und Schreiben.

Harald Bruno starb 1976. Seine Urne und die seiner Frau befinden sich in einem Kolumbarium oderhalb der Finca direkt neben einer Kapelle. Die nächste Generation, Sohn Eberhard, übernahm die Geschäfte. Auch er hatte es nicht leicht, als 1989 die Kaffeepreise auf dem Weltmarkt einbrachen. Die Finca Hamburgo bewegte sich am Rande des Bankrotts. Familie Edelmann suchte nach einem Ausweg aus dieser Krise. Diesen fand sie im Bereich des Spezialitätenkaffees. Nicht Masse, sondern Klasse war nun die Devise. Das diese Entscheidung richtig war ist an der erfolgreichen Entwicklung der Finca sichtbar.

Seit 2002 ist nun Tomas Edelmann Blass für die Geschicke der Finca Hamburg verantwortlich. Er setzt auf einen engen Kontakt zu in- und ausländischen Kunden. Viele der erwirtschafteten Gelder kommen den Arbeitern in Form von sozialen Einrichtungen (Unterkünfte, Sportplätze, weiterführende Schulbildung, Krankenstation, Elektrizität in allen Wohnbereichen) zu Gute.

Neben dem Hauptthema meiner Reise, dem Kaffee, kam natürlich auch die Erholung nicht zu kurz. Das warme und sonnige Wetter in der Kombination mit der einzigartigen Landschaft des Soconusco führte in kürzester Zeit zu einer tiefen Entspannung, die durch einen Gelegentlichen Aufenthalt im Spa-Bereich noch gesteigert wurde.

So viel dann der Abschied auch besonders schwer. Die Aussicht auf nass-kaltes Winterwetter in der Heimat tat ihr übriges. Was bleibt sind die Erinnerungen an ein gastfreundliches Land und seine freundlichen Menschen und natürlich die Wertschätzung für Ihre Arbeit rund um den Kaffee. Ein Tässchen mexikanischen Kaffee kann ich auch zum Glück jetzt immer noch im Tee- und Kaffeehaus Wittenberge genießen. Lecker!

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